Offizielle Entwicklungshilfe in Laos

Das laotische Dorf Vang Vieng: Statt an die Gemeinden fliesst das Geld in der Entwicklungshilfe noch immer viel zu oft in einen unübersichtlichen Regierungs apparat. (Bild: NONAC / GETTY IMAGES)

Das laotische Dorf Vang Vieng: Statt an die Gemeinden fliesst das Geld in der Entwicklungshilfe noch immer viel zu oft in einen unübersichtlichen Regierungs apparat. (Bild: NONAC / GETTY IMAGES)

Während internationale Organisationen lediglich ihre Arbeitserlaubnis riskieren, wenn sie auf die Rechte von Minderheiten pochen, riskieren laotische Aktivisten ihr Leben. Schmerzhaft erfahren musste dies der laotische Bauernvertreter Sombath Som­phone, der vor vier Jahren unter rätselhaften Umständen verschwand. Er war einer der wenigen aktiven Bürgerrechtler der Volksrepublik, die sich für die Landrechte der Bauern und für mehr Selbstbestimmung der Gemeinden einsetzten.

Zuletzt gesehen wurde Somphone, als er in der Hauptstadt Vientiane von einer Polizeipatrouille angehalten wurde. Es existiert sogar ein Videobeweis davon. Die Regierung lehnt jede Beteiligung am Vorfall ab und lässt sich trotz internationalem Druck nicht dazu bewegen, die Entführung aufzuklären. Somphone war kein Querulant, keiner, der öffentlich die Einhaltung der Menschenrechte ­forderte oder die Bevölkerung zum Widerstand gegen den Totalitarismus ihrer Landesregierung aufrief. Sein Engagement galt den Schwächsten in der laotischen Gesellschaft. Er versuchte die Selbstbestimmung der Landbevölkerung mittels Aufklärung und Wissensvermittlung über Selbstversorgung zu stärken.

Diese Ziele verfolgen auch die internationalen Geldgeber in Laos – auf dem Papier. «Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit verfolgt das Ziel, die Armut in der Welt zu verringern, indem sie zum Aufbau von egalitäreren Gesellschaften beiträgt», heisst es in einem kürzlich verschickten Communiqué der Deza. Das Beispiel Laos zeigt auf, wie gross die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bisweilen sein kann.

Laos hat einen der höchsten Entwicklungshilfebeiträge pro Kopf ­weltweit. Zwar konnte die offizielle Armutsquote deutlich verringert ­werden. Welchen Anteil die Entwicklungshilfe an diesem Resultat hat, ist ungewiss. William Easterly, ein bekannter Ökonom und Kritiker der Entwicklungszusammenarbeit, konnte in einer Studie nachweisen, dass 1950 bis 2011 Länder mit unterdurchschnittlich wenig Entwicklungshilfe dieselben Wachstumsraten ­aufwiesen wie jene mit überdurchschnittlich vielen Hilfsgeldern.